Sonntag, 21. September 2008

Der größte deutsche Fahrradverein

Am Wochenende ging die IFMA zu Ende. Die ehemals bedeutende Fahrradmesse fand dieses Jahr zum letzten Mal statt, weil die jüngere Eurobike in Friedrichshafen ihr den Rang abgelaufen hat. Eine Kooperation, die der Allgemeine Deutsche Automobilclub ADAC mit dem RadClub Deutschland eingegangen ist und die im Rahmen der Messe präsentiert wurde, passte nicht schlecht zu dem leichten Degenerations-Touch der gesamten Veranstaltung. Der Radclub Deutschland, 1998 als Konkurrenzveranstaltung zum Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club ADFC gegründet, ist bei Licht besehen nichts anderes als eine Werbeaktion der Bielefelder Verlagsanstalt mit ihren diversen Fahrradmagazinen – jedenfalls ist auf der Homepage des Vereins nicht ersichtlich, was eine Mitgliedschaft an substantiellen Vorteilen bietet. Nun die Kooperation mit dem Automobilclub: Der „Lichtcheck“ wurde ins Leben gerufen, der aus dem Automobilbereich ja weithin bekannt ist. Diese Aktion soll dafür sorgen, dass Radfahrer im Dunkeln nicht ohne Licht dastehen – was in vollem Umfang lobenswert ist. Sieht man sich die Aktion genauer an, fällt folgendes auf: Der Radfahrer kann beim teilnehmenden Händler überprüfen lassen, ob sein Licht in Ordnung ist – kostenlos! Bezahlt werden müssen lediglich die Reparatur und die Ersatzteile, sollte die Beleuchtung defekt sein. Interessant. Bislang war ich der Meinung, auch der größte Laie sei in der Lage zu erkennen, ob sein Scheinwerfer in der Dunkelheit funktioniert oder nicht. Und ich bin das immer noch. Und wenn es nicht funktioniert, fährt man eben dunkel weiter oder bringt das Rad zum Händler, um eine Reparatur vornehmen zu lassen. Von dem „Lichtcheck“ bleibt also eigentlich nicht viel übrig an Vorteilen für den Endverbraucher. Für die Initiatoren bleiben immerhin haufenweise Plakate in den Fenstern der teilnehmenden Händler. Mit den ADAC- und RadClub-Logos drauf. Was als Service-Aktion deklariert wird, ist also doch nur Werbung. Aber das ist nur für Außenstehende überraschend. Lustiger ist dieses: Auf der Pressekonferenz anlässlich des Aktionsstarts war neben einem von der Fahrradtechnik leicht überforderten Jean Pütz natürlich ein Vertreter des ADAC anwesend. Und der hatte Neuigkeiten: „Der ADAC ist der größte Fahrradverein Deutschlands.“ Groß ist er ja, aber ein Fahrradverein? Folgende Rechnung sollte dies belegen: Der ADAC hat 18 Millionen Mitglieder. Achtzig Prozent davon besitzen ein Fahrrad. Deshalb ist der ADAC der größte Fahrradverein Deutschlands. Logisch, oder? Na klar. Dieser Denke zufolge wäre der ADAC auch der größte Bettvorleger-Verein, der größte Hämorrhoiden-Verein, und, mit aller Vorsicht gesagt, auch der größte Pädophilen-Verein Deutschlands. Herzlichen Glückwunsch. Aber warum findet man auf den ADAC-Seiten nicht einmal über die Suchfunktion den Fahrrad-Lichtcheck? Geht es vielleicht doch nur darum, bei Radfahrern den Eindruck zu erwecken, der Autolobbyist sei auch für Radfahrer da? Außer ein paar Plakaten hat diese Werbeaktion jedenfalls nichts gekostet. Bevor ich es vergesse: Der ADFC führt jedes Jahr Beleuchtungsaktionen durch, bei denen Fahrräder kontrolliert und kleinere Reparaturen sofort durchgeführt werden. Kostenlos. http://www.adfc.de/4002_1. Und wer mitverfolgen will, wie sich René mit Herrn Mehdorn von der Bahn anlegt: http://www.adfc.de/5714_1

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