Sonntag, 14. September 2008

eine kurze wortmeldung gleitet ab in fußball - es tut mir leid!

Ja, so ein Wochenende macht redselig. Von mir dann also auch mal eine kurze Wortmeldung aus dem wirklich fernen Berlin. Aber wir haben Freitrag festgestellt, dass das Praktische an Berlin ist, dass hier früher oder später jeder von uns mal vorbeischaut. Marcel war schon hier, Matthias, Isa und Freitag - vor dem mit Spannung und heißem Herzen erwarteten Hitspiel (um nicht zu sagen Derby) Hertha gegen Wolfsburg - beehrte uns der Seifi. Beweisfotos haben wir keine gemacht aber wir waren lange aus und hatten viel Spaß.

Ansonsten fehlt mir die Heimat und niemand kann mir erklären wieso ausgerechnet in der Saison, in der ich weiter denn je vom Betzenberg entfernt lebe, der FCK eine gute Portion seiner alten Tugenden raus haut. Marcel spottet schon und bezeichnet die Lauterer als den FC-Bayern der zweiten Liga. Aber da sehe ich schon rein etatmäßig eher andere Vereine. Marcel sagt oft kluge Dinge, führt im Kicker Managerspiel deutlich und verdient, aber hier könnte er kaum weiter daneben liegen. Nein, in Lautern ist einfach nur etwas tief Verschüttetes freigelegt worden: Eine Erinnerung an ein Fußballgefühl, dass es so nur in Lautern gibt und das genau Gegenteil vom FC Bayern ist.

Man hat es schon am letzten Spieltag der vergangenen Saison im Stadion spüren können.
Es steht 0:0, 69. Minute, Köln greift an, Patrick Helmes taucht frei vor Sippel auf und haut den Ball an den Pfosten. In meiner Erinnerung, die freilich dazu neigt Dinge zu verklären, bekomme ich in dieser Schrecksekunde den ersten Regentropfen ab und denke an Addi Dasslers Schraubstollen. Eckel, Liebrich Kohlmeier und die Walterbuben. Dem Fritz sein Wetter. Im Grunde fällt das 1:0 genau in diesem Moment und ich sehe wie am anderen Ende des Platzes die Westkurve in Jubel explodiert. „Ich glaube an diese Dinge!“ hat Milan Sasic nach dem Spiel, angesprochen auf das Fritz-Walter-Wetter, gesagt und scheint wenige Minuten nach dem Abpfiff etwas Grundsätzliches über den FCK gelernt zu haben. Wir wussten das schon immer, hatten es nur vergessen.

Fußball ist nicht einfach nur ein Spiel, ein Sport oder ein Großereignis. Die Zuschauer projizieren eigene Vorlieben, Wünsche, Sehnsüchte in die Ereignisse auf dem Feld. Kindheitserinnerungen an Samstagnachmittage mit den Vätern, aber auch ganz grundlegende Dinge wie moralische Konzepte von redlichem und unredlichem Verhalten, werden auf die Interpretation des Spielgeschehens angewendet. Sasic hat zusammen mit Stefan Kuntz eine Sprache gefunden, die der Lauterer Fußballkultur entspricht, von den Anhängern verstanden wird und gleichzeitig der Mannschaft eine klare Vorstellung davon vermittelt, wie aus unterlegener Position ein Spiel gewonnen und gedreht werden kann. „Mit Lautrer Herzblut ist alles möglich“ mag ein lächerlicher Slogan sein aber er funktioniert in diesem Zusammenhang perfekt. Der Last-Minute-Klassenerhalt füllte die hohle Phrase mit Realität und brachte den trotzigen Stolz des Underdogs zurück auf den höchsten Fußballberg Deutschlands. Underdogs waren sie in Lautern schon immer am liebsten. Als Kern der 54er Nationalmannschaft beim Wunder von Bern genauso wie bei den letzten beiden Meisterschaften 91 und 98. Angestrebt wird in dieser Saison der Klassenerhalt in Liga 2 aber mittelfristig ist das Ziel natürlich die erste Liga. Wenn ein Fußballabend gut war und der Glaube an eine bessere Welt für Sekunden die Oberhand gewinnt, imaginiere ich den perfekten Moment, den großen Schlussakkord von Kuntz’ 5 Jahres Plan: Ein Heimspiel in der ersten Liga gegen den FC Bayern. Natürlich wird es regnen, natürlich bin ich im Stadion und natürlich wird Lautern aus einem 0:2 Rückstand ein 3:2 machen und gewinnen.
Ich glaube an diese Dinge!

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