Eine von uns war gestern beim 3sat Festival: Tomte Konzert. Wir verraten nicht welche, aber wir sagen so viel, es war nicht die, die Niels Frevert an der Ecke rauslassen will... Aber sie hat darüber auch wat jeschriwwe:
Songs wie fürs Poesiealbum
Wenn ein Autor um die Dreißig ein halbwegs unterhaltsames Buch auf den Markt wirft, heißt es gern, er sei "die Stimme seiner Generation." Selten wird nachgefragt, ob besagte Generation sich mit dem zugewiesenen "Klassensprecher" auch identifizieren kann - häufig wäre die Antwort wohl ein schlichtes: Nö! Zu klischeelastig, zu sehr um den kleinsten gemeinsamen Nenner bemüht, kommt diese Literatur daher.
Thees Uhlmann, Frontman der Hamburger Band Tomte, taucht nicht auf im Klassensprecher-Verzeichnis der Generationsschnittmenge Ü20 bis U35 - doch im Gegensatz zu den Stuckrad-Barres der Popliteratur trifft der Musiker bereits seit 20 Jahren ihren Nerv.
Scheinbar mühelos zaubert er der mit- und nachwachsenden Fangemeinde Songtexte ins Poesiealbum, die von den dazugehörigen Melodien sanft getragen werden und dennoch für sich stehen. Denn es sind zuerst die Texte, die Band und Publikum verbinden, die Musik folgt erst im zweiten Schritt.
Dieses Phänomen war auch beim 3sat-Zeltfestival zu beobachten. Dort wurde beim Konzert der Hamburger natürlich ausgiebig getanzt, gesprungen und geschwitzt - und doch waren es die ruhigen Momente, die den Abend so besonders machten. In denen Uhlmann und Publikum gemeinsam die Zeilen raunten, die der eine geschrieben und die anderen als Wahrheiten übers eigene Leben, die große Sinnsuche und diese verdammte Unsicherheit angenommen haben, die Jungsein in den letzten zwei Jahrzehnten kennzeichnet.
"Da ist soviel Krebs in meiner Familie, da ist zu viel Angst in deiner Welt", sang der blonde Frontman in Lederjacke, sein Publikum murmelte ihm die Sätze hinterher: "Wie gut die Zeit mit dir verrinnt, die uns bleibt, bis wir gehen. Lass mich vor dir sterben!" - größer kann keine Liebeserklärung ausfallen: Lass mich zuerst sterben, weil meine Welt sich ohne dich nicht mehr weiter dreht.
Auch vom kommenden Album "Heureka" (erscheint am 10.Oktober) gab es eine Kostprobe: "Der letzte große Wal", die erste Singleauskopplung, bestand die Feuerprobe vor Publikum: "Und ich weiß, dass wir alleine sind", wisperte der Sänger ins Mikrofon; vor der Bühne teilte man seine Sehnsucht nach etwas Bleibendem.
Es ist Uhlmanns große Kunst, Texte zu schreiben, die sich wie Nach-Hause-kommen anfühlen. Dabei behauptet er nie, die Lösungen zu kennen, nach denen wir forschen. Aber er zeigt, dass man allein durchs Suchen immer weiter kommt.
[Quelle: http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=3433398]
Deren neues Video sieht übrigens so aus:
Und ich wollte gerade behaupten, der Thees sähe gut aus. Aber dann, dann sah ich das neue Video. Jetzt denke ich da nochmal drüber nach... Außerdem ist er verliebt in Gundula Gause. Und mit der habe ich nix gemeinsam. Glaub ich.
2 Kommentare:
Tut mir ja schrecklich leid, aber ich finde, Thees Uhlmann klingt immer mehr und eigentlich schon immer wie ein Vorwerk-Staubsauger. Fängt bei irgendeinem Ton an und saugt sich zum richtigen hoch.
...aber die Texte sind toll, das stimmt...
Ich muss da auch widersprechen. Zum einen gibt es bei Google dann doch einige Treffer zum Thema Thees Uhlmann und Generation. Zum anderen fand ich die persönliche Tomte-Besichtigung eher ernüchternd. Den Quark, den der Mann zwischendrin erzählt, weckt in mir den Verdacht, dass diese so charmant nicht zum Rhytmus passenden Textzeilen kein Kunstgriff sind, sondern schlichtem Unvermögen entspringen. Und das, was der Zuhörer mit Kopf und Herz daraus macht, zu großen Teilen vom Zufall abhängt. Aber wahrscheinlich ist das einfach wie mit dem eigenen Lieblingsverein.
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