Mittwoch, 19. November 2008

Would the real Mr. Kubrick please stand up?

Als ich heute, meines Praktikantendaseins würdig, mal eine halbe Stunde, ok ne ganze, Leerlauf hatte, habe ich das gemacht, was gute Filmnerds machen. Neue Watchmen-Bilder suchen, coole Listen bei Empire Online lesen und Trailer schauen. Da kam mir dann dieses Kleinod zwischen die Finger. Wer sich bei letztmaligem Schauen eines Jim Jarmusch-Films oder eines Hanekes gedacht hat: "Hey, eigentlich bräuchte ich mal wieder eine wissenschaftlich völlig unhaltbare Vision, wie der Weltuntergang aussehen könnte, vorzugsweise mit dümmlichen Dialogen und AnachF-Kausalketten, die einem halbwegs intelligenten Menschen die Nackenhaare aufstellen.", den kann ich beruhigen, der schwule Schwabe ist wieder da. Ja, Roland Emmerich darf wieder um die 100 Millionen US-Dollar verpulvern und sich ein Pimmelgefecht mit Michael Bay (Exkurs und sehr empfehlenswert für einen Nachmittag voller Spaß) liefern, bei dem wieder nur einer verliert: ich, der ich wieder drauf reinfalle und acht Euro dafür ausgebe.

Naja, ist ja dann meine Schuld, hier auf jeden Fall mal der Teaser für 2012



Mensch, dachte ich mir, hat er mich wieder, indem er wahrscheinlich nur eine Panoramaszene aus Unsere Erde genommen, sie mit einer Szene aus einer Dalai Lama-Doku zusammengesteckt hat und einen Studenten der UCLA Film School mit seinem Superrechner eine Million Dollar gegeben hat, um das Wasser aufzupumpen an jenem bereits erwähnten Superrechner.
Was mir aber aufgefallen ist, dass die Musik sich ausnehmend creepy und positiv hervorgetan hat hierbei. Sie geht unter die Haut, entnervt und zerrt so ein bisschen am Wohlbefinden. Also untypisch für Emmerich, der meistens in den Baumarkt der Filmmusik geht und den größten Pinsel available nimmt. Juuuuuuuust a little bit, das Motto von Bob Ross, ist nichts für unseren Roland.

Dann sucht der geneigte und gelangweilte Filmnerd weiter, wo denn so eine tolle Musik herkommen könnte. Tja. Zehn Blogs und Webseiten mit erhitzten Diskussion über die Vor- und Nachteile von Emmerich-Filmen später hatte ich meine Bestätigung, die in dieser Form kam:



Was bleibt mir da noch übrig zu sagen? Es ist kein weltbewegender Post, aber ich mag Hoffenheim nicht und ich will auch nicht, dass Roland Emmerich Filmmusik nimmt, die Stanley Kubrick für den wohl schreckenerregendsten Horrorfilm genutzt hat. Da bin ich Kulturnazi. Wie Nils. Und Axxel. Aber der ist mehr Kultur-KZ-Aufseher.

So, ich schau jetzt weiter Fußball.

1 Kommentar:

Axxel hat gesagt…

Hat der Typ denn überhaupt keine Ehre im Leib respektive irgendein Gewissen gegenüber der Filmkunst und Regisseuren, die es wirklich draufhaben?
Eine Musik, die von Wendy Carlos exklusiv für den Shining Trailer geschrieben und komponiert wurde, für dieses Warschoneintausendmalda-Szenario zu vergewaltigen; diesmal aufgeladen mit einer Prise aktueller Öko-Paranoia (gewiss verwendet irgendein Pfosten-Schreiberling von der Variety schon den Begriff "eco-thriller"), quasi die Michael-Bay-Variante von "An Inconvenient Truth".

Bestürzend und dämlich gleichermaßen, wir haben also die gleichen Einstellungen wie in "Deep Impact", nur, dass die Katastrophe, die den Menschen diesmal überrollt, vermutlich handgemacht sind – was die These beweist, dass der Mensch des Menschen Wolf ist, um den Bogen zu Haneke nochmal zu schlagen, aufgekrasst mit irgendeiner Maya-Legendem die den Untergang der Welt für das Jahr 2012 vorraussagt, was selbst Al Gore für etwas überzogen halten dürfte (vorher kriegen wir es eher auf die Reihe, das Kap Horn wieder sauber zu halten).

Deiner völlig berechtige Frage, Marcel, warum sie ihm wieder 100 Millionen Dollar in die Hände geschissen haben, möchte ich erst eine kleine Korrektur voranstellen: es sind, zumindest laut Wikipedia, 200 Millionen – für weniger kann man die Welt auch nicht den Bach runtergehen lassen. Und, ja, selbst "10.000 BC" hat seine Kohle wieder eingefahren, was ich in gleicher Quelle bestürzt nachlesen musste, denn der Film kam wirklich völlig Stulle.

Also, am besten gar nicht erst drüber aufregen und den Post lieber zum Anlass nehmen, sich "Shining" wieder einmal zu Gemüte zu führen, nicht nur der fantastischen Musik wegen.